Illustration aus "Was die Sennen erzählen".
Wallisersagen gesammelt von Johannes Jägerlehner, 1921.
 
                                                                                                                                               
  Geistergeschichten    Seite 3 von 3       
              

Ein Jäger verstieg sich auf der Gemsjagd. Er konnte nicht mehr vor oder zurück und hatte den sicheren Tod vor den Augen. Da sah er eine weissgekleidete Frau. Ohne ein Wort zu sagen gelangte sie auf eine ihm unerklärliche Weise zu ihm, nahm ihn an der Hand und geleitete ihn auf einen sicheren Platz.
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Das Grundmuster dieser Erzählung ist typisch, wenn das Thema Jäger oder Hirten sind, die in den Bergen in Gefahr geraten. Auch in der heutigen Zeit gibt es Berichte von Berggängern, die in Extremsituationen Seltsames erlebten. Unter ihnen ein bekannter Himalaya-Bergsteiger. Als er allein auf 7000 m Höhe biwakierte hatte er eine Begegnung, über die er Folgendes schreibt:

« .... umständlich krieche ich aus dem Zelt. Das Mädchen ist wieder da. "Wir sind schon schön weit hier oben" sage ich. '"Morgen kommst Du zum Gipfel" meint sie. "Nur wenn das Wetter so bleibt". "Es hält schon". Ich bleibe vor dem Zelt stehen und schaue nach Westen. Ringsum nicht als Wolken, zwischendurch sehe ich Sterne am Himmel. Das Mädchen lacht nur als ich ihr das sage. Aus dem rechten Augenwinkel glaube ich noch zu sehen, wie es aufsteht und weggeht. »

Aus "Alleingang am Nanga Parbat", 1979, Reinhold Messner.

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Heutiger Wissensstand
Bei Sauerstoffmangel, aber auch aus anderen Gründen, kann der Mensch im Wachzustand eingebildete Erlebnisse haben (Halluzinationen), die er als absolute Realität wahrnimmt. Derartige Erlebnisse haben Menschen u. a. :

 

Bei Aufenthalt in ungewohnter Höhe.  

Bei Extremformen von Furcht, Hunger, falschem Atmen, Erschöpfung oder Schlafmangel.  

Bei bestimmten Verletzungen oder Krankheitsformen (u. a. Schizophrenie).  

Infolge bestimmter Drehtänze, bestimmter Meditations- und Atemtechniken.  

Infolge Einnahme von Gift oder Drogen. In den alten Zeiten Extrakte aus Krötenhaut, bestimmten Pflanzen und faulendem Fleisch (Leichengift). In tropischen Ländern auch Schlangengifte und Extrakte aus Kugelfischen. Die erwähnten Substanzen sind besonders wirksam, wenn sie als Pulver oder als Salbe in Körperöffnungen geraten. Je nach nach Konzentration wirken sie tödlich, lähmend (Scheintod) oder führen zu mehr oder weniger angenehmen Halluzinationen.  


Der Kern einiger Geistergeschichten dürfte so erklärbar sein. Andere sind Märchen oder auf seltene Naturereignisse zurückzuführen. Beispiele:

 


Geräuschübertragungen und Spiegelungen unter bestimmten atmosphärischen und topographischen Bedingungen. Z. B. das Brockengespenst.  

Seltene elektrische Erscheinungen. Z. B. der Kugelblitz.

 


Seltene, extreme Turbolenzen in Bodennähe, so genannte Microburst. Sie können nicht nur grosse Flugzeuge wie eine Riesenfaust packen, sondern auch Menschen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Menschen die durch Naturerreignisse oder Explosionen durch die Luft geschleudert werden, dies manchmal als langsames, längerdaurendes, lauftloses Schweben und sanftes Landen erleben, obwohl dem nicht so war.  


Funk-Messflugzeug F-B7 (ex US-Airforce)Am 19. Februar 1952 startete in Dübendorf eine C-45 der Schweizerischen Flugwaffe mit 3 Mann an Bord. Darunter 2 erfahrene Piloten. Das Wetter war schön. Die Sicht war ausgezeichnet. Der Wind normal. Ihr Auftrag war eine Kontrolle der Funknavigation in sicherer Reiseflughöhe. Die Maschine kam nie zurück. Später fand man sie und die tote Besatzung im Obergoms, im Bieligertal auf 3200 m Höhe. Die Untersuchung ergab, dass die Maschine mit laufenden Motoren in normaler Fluglage dort aufschlug - und dass sie vermutlich von lokalen Turbulenzen heruntergerissen wurde.
 

Soweit heutige Erklärungen vergangener Ereignisse. Oder steckt doch mehr dahinter?

 
Die aktuelle Wahrheit ist nicht die letzte Wahrheit!
Arnold Künzli, Publizist
 

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