Foto Pius Werlen  



Ausschnitt aus dem gotischen Hochalter
der Pfarrkirche von Münster.

 
                                                                                                                     
  Vergangenheit  
            

Wirtschaftlich und politisch ist das Obergoms heute ein Randgebiet. Zahlreiche Kulturschätze erinnern aber an eine grosse Vergangenheit. Das Obergoms war die Wiege der Walserbewegung (13.-15. Jh.) und des Kampfes der Oberwalliser gegen "fremde Fürsten" (14.-15. Jh.).

Höhepunkt der grossen Vergangenheit war die Friedenszeit von 1448 bis 1797. Die im Titelbild gezeigeten Figuren wurden 1509 aufgestellt. Die Bedeutung des Obergoms in jener Zeit illustrieren folgende Biographien:

 

   

Peter von Riedmatten. Um 1500 in Münster geboren. Wiederholt Meier (Anführer) von Goms und Landvogt im Unterwallis. Bannerherr des Zenden Goms von 1570 bis zu seinem Tode 1596. Als er starb hinterliess er seine Familie bis in die dritte Generation fest installiert. Sein Sohn Hildebrand war seit 30 Jahren Fürstbischof des Wallis, sein ältester Sohn und dessen Ältester hatten ihrerseits schon 16 mal den Turnus des Zenden Goms in den Vogteien des Unterwallis innegehabt. Sein Sohn Jakob hatte eine Kompanie im Dienste Frankreichs befehligt, seine Töchter waren mit den Söhnen aus den besten Familien des Landes verheiratet. Sein Enkel Adrian, der zukünftige Fürstbischof Adrian II., hatte die Leitung der Abtei von St - Maurice übernommen, welche die Oberwalliser sich gerade angeeignet hatten.
Aus "Blätter aus der Wallisergeschichte", Band XIII, Beitrag von H.H. Henri de Riedmatten.

 
 

Anthelm Aufdereggen. Um 1420 in Reckingen geboren. Dort wird er 1447 als Vogt der Theodulspende erwännt. Ab 1454 wiederholt Meier (Anführer) des Zenden Goms. 1475 Landeshauptmann (Oberster ziviler und militärischer Amtsträger des Wallis). Im gleichen Jahr war er in der Schlacht auf der Planta bei Sitten Anführer der Gommer, deren Anrücken entscheidend für den Sieg über die Savoyarden war. Von 1484 bis 1486 hatte er ein zweites Mal die Landeshauptmannwürde inne und ein drittes Mal 1488. Dann liess er sich in Münster nieder, wo er 1491 ein Haus baute. 1497 schrieb er sein Testament. Gestorben ist er vor 1500.
Aus "Zur Geschichte der Grafschaft" von Br. Stanislaus Noti, 1975
 

 

   

Thomas Imoberdorf. Zusammen mit Domherr Anton Imoberdorf (wahrscheinlich sein Bruder oder Vetter) und Rudolf Albi, Rektor von Biel, schmiedete er im Herbst 1422 einen Komplott zur Wiedereinsetzung des nach Bern vertriebenen Bischofs Wilhelm V. von Raron. In der Folge zogen sie 1423 mit sechzig bewaffneten Männer von Münster nach Sitten, belagerten dort 13 Tage lang Bischof Adrian de Gualdo im Schloss Majorie, erstürmten es und nahmen den Bischof gefangen. Wie lange er gefangen war, ist nicht bekannt. Im Oktober 1424 war Bischof Adrian de Gualdo wieder im Amt. Thomas und Anton Imoberdorf, wie auch Rudolf Albi, wurden exkommuniziert, aller Ämtern enthoben und ihre Güter eingezogen. Allerdings nahmen sie das Urteil nicht an. In der Folge einigte man sich 1426, dass Bischof Wilhelm V. definitiv wegbleibt, aber seine Obergommer Helfer nicht verurteilt werden. Spätestens 1429 hatte sich Thomas Imoberdorf mit Bischof Adrian de Gualdo versöhnt und wurde von diesem mit Ämtern bedacht.
Quelle "Blätter aus der Wallisergeschichte", Band II, Jg. 1903, S. 410-416.
  
 

Die Friedenszeit von 1448 bis 1797 brachte grossen Wohlstand. Nicht unterwähnt solle bleiben, dass diese Zeit nicht frei war von Missständen, inneren Unruhen, Spannungen und leidvollen Ereignissen.

 

  
 

  Quellen des Wohlstandes waren auch Einnahmen aus den Untertanengebieten Unterwallis und Lötschental, vor allem aber die Zahlungen des Auslands für Kriegsdienste.  

  
 

  Zweimal stand das Land am Rande eines Bürgerkrieges. Im 16. Jh. wegen Auseinandersetzungen zwischen den Parteigängern Frankreichs und den Parteigängern des deutschen Kaisers. Im 17. Jh. wegen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Reformierten.  

  
 

  Viel Leid brachten verheerende Lawinen [ Info ] und mehrere Pestepidemien. Die letzte Pestepidemie dauerte von Mitte August bis Weihnachten 1629. Von rund 2000 Einwohnern starben 496. Sie wurden in Münster in einem Massengrab beigesetzt.  

 
 

  1
Ausschnittt aus dem Totenbuch von Münster 1629.
In der ersten Zeile der Eintrag des letzten Pesttoten: Matthäus (Sohn des) Christian Werlen.
In der zweiten Zeile der Vermerk: Im Total starben (an der) Pest 496.
 

___________________________________________________

Hinweis zu den folgenden Seiten:
Sie sind nur für Besucher, die über die im 14.-18. Jh. in den Genealogien erwähnten Ämter und Titel mehr wissen möchten. Um die Bedeutung dieser Ämter und Titel besser zu verstehen, wird auch der geschichtliche, politische und gesellschaftliche Hintergrund beschrieben. In der Literatur wird das Thema teilweise kontrovers behandelt. Es ist mir deshalb besonders wichtig, dass meine Darstellung neutral bleibt. Sollten Sie etwas nicht so empfinden, bin ich für jeden Hinweis dankbar. Bitte beachten Sie auch, dass ich, um kurz zu bleiben, Zustände und Entwicklungen oft stark vereinfacht wiedergebe.

Im November 2006               Franco Werlen

Für Interessierte Weiterlesen
 



 
Im Obergoms. Von Münster Blick talabwärts Richtung Reckingen. Im Hintergrund das Weisshorn, 4506 m.ü.M.
______________________________
 
 
Fortsetzung, siehe
nächste Seite

 
_____________________   
Zurück . Zurück zur Startseite . Kontakt